Moment mal ...
Gottesschau

Eine der bedeutendsten Skulpturen der Kunstgeschichte ist gewiss diese Marmorfigur des Moses.
Sie bildet das Zentrum eines von Michelangelo Buanerotti geschaffenen zweistöckigen Grabmals für Papst Julius II. in der Kirche San Pietro in Vincoli. – Wer sie einmal gesehen hat, wird sie nie vergessen.
Es wurde im Laufe der Jahrhunderte viel gestritten, was Michelangelo genau darstellen wollte.
Für mich ist es eine der Gottesbegegnung des Mose, die Michelangelo hier wohl darstellen wollte: „Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet“, heißt es bezüglich dieser Gottesschau in Exodus 33,11.
Ja, der Moses des Michelangelo hat keine Furcht mehr vor Gott wie bei seiner Berufung bei der er noch sein Gesicht verhüllte. In der unmittelbaren Gegenwart des Höchsten hat er jetzt, der „Freund Gottes“, das Tuch abgenommen und auf sein rechtes Bein gelegt.
Mit Gott reden wie mit einem Freund, das dürfen auch wir. - Es gehört nicht viel dazu. Eins ist besonders wichtig: Stille.
Die Ruhe der Ferien- und Sommerzeit, wenn die Hektik nachlässt, will uns auch dazu einladen.
Herzlich grüßt alle Leserinnen und Leser,
Ihr Michael Bracht, P.
Foto: MOSE - Michelangelo Buonarotti arbeitete zwei Jahre (von 1513 bis 1515) an dieser Figur
